Interview: Paid-Content-Aggregatoren: Neue Geschäftsmodelle, neue Chancen für Verlage

Christian Kraus, Unternehmensberater bei Christian Kraus Consulting im Interview

Herr Kraus, was verstehen Sie unter "Paid-Content-Aggregatoren"?

Darunter verstehe ich Marktplätze oder andere digitale Plattformen, die dem Nutzer Inhalte verschiedener Verlage zur Verfügung stellen und bei denen der Nutzer für diese Inhalte bezahlen muss.

In letzter Zeit wurde in unserer Branche viel über "Distributed Content" diskutiert: die Homepage verliert für viele an Relevanz, im Gegenzug nehmen Plattformen wie Facebook, Twitter, Snapchat, Pinterest u.a. an Bedeutung zu. Verlage können dort erheblich an Reichweite gewinnen, aber Bezahlmodelle sind nur schwer zu realisieren. Die Verlage bleiben damit auf die weiterhin niedrigen digitalen Werbeerlöse angewiesen.

Im Bereich der Bezahlmodelle haben sind in den letzten 1-2 Jahren Aggregatoren gestartet, die sich -- wie etwa Blendle und Readly -- nur auf journalistische Inhalte konzentrieren und neue Chancen bieten. Daneben gibt es natürlich schon seit langem die Angebote von Apple (iTunes), Amazon und Google und unabhängige Marktplätze wie den iKiosk und Zinio.

Wie unterscheiden sich diese neuen Aggregatoren von etablierten Angeboten wie iTunes oder dem iKiosk?

Primär in den Geschäftsmodellen, die sie den Verlagen ermöglichen. Auf iTunes und im iKiosk werden primär ePaper -- bzw. Apps, die auf ePaper basieren -- verkauft. Die Verlagen erhalten dadurch zusätzliche Reichweite und Abonnenten, verkaufen aber im Prinzip die gleichen Produkte, die sie auch auf ihren eigenen Kanälen anbieten -- ein digitales Abonnement etwa für den SPIEGEL oder für TV Digital. Auch die Preispunkte sind meist ähnlich oder gleich. Damit werden auch die gleichen Zielgruppen angesprochen.

Neue Modelle wie Blendle und Readly etablieren dagegen neue Geschäftsmodelle. Bei Blendle der Kauf des Einzelartikels auf einer technologisch und produktseitig sehr gut umgesetzten Plattform. Bei Readly die Flatrate für Zeitschriften in einer App, die auch für weniger technologie-affine Leser sehr einfach zu benutzen ist.

Um welche "Chancen" wird es in Ihrem Vortrag gehen?

Aktuell mangelt es den "neuen Aggregatoren" noch an Bekanntheit und Reichweite. Die monatlichen Ausschüttungen an die Verlage sind daher gering. Wenn es ihnen aber gelingt, ein breiteres Publikum zu finden, können sie Verlagen aber attraktive zusätzliche Umsätze bieten. Besonders attraktiv ist dabei potenziell die Erschließung von Zielgruppen, die die Verlage mit ihren eigenen Angeboten nicht erreichen können, weil diesen z. B. ein Abonnement zu teuer ist.

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